Auf den Hund gekommen
GF Karin Kothgasser mit ihren Angestellten

Die Liebe zu ihrem Hund und der Zufall machten Karin und Bernhard Kothgasser zu Besitzern von gleich drei Hundeboutiquen.

GF Karin Kothgasser mit ihren Angestellten

Bunter-Hund-Geschäftsführerin Karin Kothgasser (Mitte) mit ihren Angestellten Flora Juraszovich (l.) und Melanie Hauk. / Bild: Die Presse/Clemens Fabry

(Die Presse, 2. Juli 2016) Schicke Kleider, hohe Schuhe und passende Accessoires – lange Zeit drehte sich im Leben von Karin Kothgasser alles um das Thema Mode. Die 54-Jährige betrieb in Linz eine Boutique, ihr Mann Bernhard arbeitete als Industriekaufmann. Dann zog das jüngste ihrer drei Kinder aus – und Hund Falco ein. Nie hätte das Paar gedacht, dass sich von da an alles ändern sollte. Der mittlerweile zwei Jahre alte Magyar Vizsla forderte nicht nur vollste Aufmerksamkeit von seinen Besitzern, er wollte dem Temperament seiner Rasse entsprechend auch rund um die Uhr beschäftigt werden. Das wäre kein allzu großes Problem gewesen, hätte Falco sich einfach mit dem Auto mitnehmen lassen. Das Reisen in einer Transportbox gefiel ihm aber so gar nicht, eine andere Lösung musste gefunden werden.

Karin und Bernhard Kothgasser entdeckten den Dogstyler, eine Art Hundekorb fürs Auto, in dem die Tiere sicher und angegurtet sitzen können, ohne in eine enge Box gesteckt werden zu müssen. Einziger Nachteil: In Österreich war das Produkt nicht zu haben. Das Paar witterte eine Geschäftsidee und beschloss, die Lücke für Hundetransportlösungen auf dem heimischen Markt zu schließen. Karin und Bernhard Kothgasser kündigten ihre Jobs und eröffneten in Pasching bei Linz den ersten Dogstyler-Franchise-Store in Österreich. Doch es kam noch bunter. Im Hundefachgeschäft Bunter Hund in Wien entschied Geschäftsführer Stefan Stumpf zur selben Zeit, sich beruflich umzuorientieren. Er bot Familie Kothgasser an, den Laden im siebten Bezirk und die Filiale in Perchtoldsdorf zu kaufen. Sprichwörtlich auf den Hund gekommen nahmen die Kothgassers das Angebot an und übernahmen zusätzlich auch den Bunten Hund.

Während im Geschäft in der Neustiftgasse italienische Musik leise aus dem Radio dudelt, Hundefotografien an den Wänden hängen und unterschiedlichste Leinen und Halsbänder auf großen Tischen verteilt liegen, türmen sich Hundefutterdosen in Holzregalen. Hundebetten und Körbe befinden sich übereinander gestapelt im hinteren Teil des Geschäfts, im surrenden Kühlschrank wird Frischfleisch aufbewahrt und an kleinen Haken befinden sich säuberlich geordnet bunte Mäntel und auch Schwimmwesten für den Hund von Welt. Wenn Inhaberin Karin Kothgasser in Linz ist, übernimmt Flora Juraszovich Beratung und Verkauf. Sie ist eine von fünf Mitarbeiterinnen, die Familie Kothgasser in Wien und Perchtoldsdorf beschäftigen. Auf dem Boden hinter der Kasse hat sich ihr Hund Monti eingerollt. „Als ich hier zu arbeiten begonnen habe, hatte ich keinen Hund“, erzählt Juraszovich. „Das war aber ganz schwer, weil ich gemerkt habe, wie stark die Verbindung zwischen den Menschen, die hier herkommen, und ihren Hunden ist. Das wollte ich dann auch haben.“ Wie auch Karin Kothgassers Hund Falco ist Monti mittlerweile fixes Teammitglied im Bunten Hund. Irgendjemand muss schließlich neue Futtersorten verkosten oder Mäntelchen und Halsbänder anprobieren.

Hauptsache Funktion. Die Modebranche fehle ihr gar nicht, sagt Geschäftsführerin Kothgasser. Irgendwie habe sie ja auch im Bunten Hund mit Mode zu tun. Stammkunden suchen je nach Jahreszeit nach Abwechslung bei der Hundebekleidung. Außerdem bemüht man sich, Hund und Besitzer modisch aufeinander abzustimmen. Da gibt es zum Beispiel Halsbänder, die zu Herrchens Gürtel oder Frauchens Armband passen. „Aber eigentlich“, erklärt Juraszovich lachend, „sehen sich Hund und Besitzer meist ohnehin irgendwie ähnlich. Mit der Zeit passen sie sich einander immer mehr an.“

Dass der Hund in erster Linie Hund bleibt und nicht zum Modeaccessoire verkommt, darauf legt man im Bunten Hund aber Wert. Vergeblich sucht man hier nach Hundehimmelbetten oder rosaroten Plüschschuhen. „Wir verkaufen nichts, was nur schön ist. Alles hier ist in erster Linie funktional“, erklärt Juraszovich, und Kothgasser fügt hinzu: „Man muss sich da entscheiden. Wir sind eher nicht so glitzerflitzer.“ Gute Gründe, einem Hund ein Mäntelchen anzuziehen, kann es dennoch geben. „Wenn ein Hund Arthrose hat, muss man ihn beispielsweise warm halten“, sagt Kothgasser. Im Sommer besonders beliebt seien auch Schwimmwesten für die Tiere. Rund 100 Euro kostet das Stück. Es soll helfen, schwimmfaule Hunde ins Wasser zu locken oder älteren, schwachen Tieren das Schwimmen weiterhin zu ermöglichen.

Bachblüten für Angsthunde. Aber wie misst man eigentlich Hundegrößen? Ähnlich wie beim Menschen geht es in den meisten Fällen auch bei den Hunden von XS bis XXL. Bei Mänteln entscheidet die Rückenlänge – und die Frage, ob Hund den Schwanz bedeckt haben möchte oder nicht.

Zumindest bei den menschlichen Kunden besonders begehrt ist in Wien übrigens der Maulkorb. In Oberösterreich wird der viel seltener verkauft. Im Bunten Hund passt man ihn für jedes Tier speziell an. Auch kurios Anmutendes findet man in den Regalen des Shops, Bachblütenkekse zur Beruhigung bei Gewitter oder auf Reisen zum Beispiel, oder eine Creme zur Behandlung von rissigen Pfoten.

Ein besonderer Verkaufsschwerpunkt liegt dennoch auf etwas vergleichsweise Klassischem: auf Hundefutter. „Das meiste Futter, das es auf deem Markt gibt, hat wirklich schlechte Qualität. Darum entwickeln viele Hunde Allergien“, erklärt Juraszovich. Um dem entgegenzuwirken, führt das Geschäft eine große Auswahl an Biohundefutter mit Lebensmittelqualität. Tatsächlich sollen es schon einige Herrchen abends im Kühlschrank vorgefunden und für Pastete gehalten haben. Das Urteil? „Ganz gut, aber ein bisschen zu wenig gewürzt.“

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